Dienstleistungscenter

Ich habe seit ein paar Monaten einen neuen Nebenjob. Zuerst habe ich es gar nicht bemerkt. Er kam schleichend, ich habe mich ja auch eigentlich nicht darum bemüht, er wurde mir quasi aufgedrängt….

Dabei fing alles ganz harmlos an.

Meine elektrische Zahnbürste gab den Geist auf und über den Hersteller wurde mir empfohlen, mich an „meine“ nächste Service-Station zu wenden. (Das klingt ja wie früher die Shell-Tankstellen…) Bloss, wo findet man diese Service-Stationen? Nirgendwo ein Hinweis. Also verbrachte ich stundenlang am PC, um irgendwie Hilfe zu finden…

Bei einem anderen elektrischen Gerät ( Haushaltsgeräte machen ja immer quasi „Gruppenprobleme“) fehlte die Gebrauchsanweisung in deutscher Sprache. Ich hielt mich brav an die vorhandene Anleitung des Produzenten und gab auf der Firmenwebseite meine Gerätebezeichnung ein: Bereit zum Download gab es dort hunderte von Gebrauchsanleitungen in allen erdenklichen Sprachen, nur meine verdammte Gerätenummer war unauffindbar…

In immer kürzeren Zeitabständen stapelten sich dann plötzlich immer häufiger kundenfreundliche Help- / Service- oder Contact-Center Angelegenheiten auf meinem Schreibtisch, mal war es eine Buchungsplattform, dann wieder eine Airline, die Probleme machte und immer versprachen die Webseiten schnelle und kompetente Hilfe…

Als nun auch noch meine Bank zum Jahreswechsel ankündigte, den Kundenservice optimieren zu wollen, schwante mir schon, dass sie selbstverständlich nur das Wohl des Kunden im Fokus hatten: es macht mir natürlich Freude, die Konten selbst bewirtschaften zu dürfen, zum Jahresende sämtliche Auszüge für die Steuer selbst auszudrucken und auch noch die Daueraufträge zu ändern. Und sicher ist es ganz fair von meiner Bank, dass sie mir für ein Konto, das ich selbst online auflöse, eine Gebühr von über CHF 70 berechnen. Ist doch ein Deal, oder?

Trumps Sprache kommt an.

Und ich? Ich arbeite neuerdings täglich für all die Unternehmen, die mir das Leben mit ihren Rundum-Servicepaketen erleichtern wollen, mehrere Stunden am Computer – selbstverständlich kostenlos.

Ach ja, der kleine Fahrkartenschalter am Bahnhof einer Vorortgemeinde wird geschlossen, weil – man ahnt es schon – die Kunden lieber selbst die Fahrkarten aufs Handy laden. Ist das so?

2 Gedanken zu „Dienstleistungscenter

  1. Bri vom Meer

    Das ist Gewinnmaximierung durch Personalabbau. Ich verweigere mich, überall, wo es geht. So trage ich im Café mein Tablett nicht zur Sammelstelle für gebrauchtes Geschirr. Ich habe nämlich keinen Arbeitsvertrag mit der Cafékette .

    • fatima

      Das sehe ich auch so Bri vom Meer. Was ich vermeiden kann lasse ich, wie z.B. Selfscanning im Supermarkt. Erschreckend ist aber wie vorbehaltslos die Jungen damit umgehen…

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