Neuorientierung

Nun ist der 1. Monat des neuen Jahres schon fast vorbei. Viel zu schnell ging das. Ich kuriere noch immer meine Blessuren aus dem alten Jahr und werde gleichzeitig gnadenlos gedrängt, mich im laufenden Jahr zu orientieren.

Welche Weiterbildungen möchte ich belegen? Welche Reisedestinationen interessiseren mich? Welchen Menschen möchte ich noch Zeit schenken? Dahinter versteckt sich natürlich immer die Frage, welches Ziel verfolge ich überhaupt?

In diesem Jahr werde ich 65 und anscheinend drängt sich unbeabsichtigt noch einmal eine Art Zwischenbilanz der Eigenbiografie ins Bewusstsein. Gewisse Lebensthemen scheinen ja die Angewohnheit zu haben, einem mit einer zuverlässigen Regelmässigkeit immer wieder vor die Füsse geworfen zu werden. Sobald ich überzeugt bin, „so – das habe ich jetzt wirklich abgeschlossen“, kehrt das Problem vehement und neu verpackt mitten in mein Leben zurück und will beachtet werden.

So manches Mal denke ich „ach, du schon wieder“. Oft gelingt auch ein oberflächliches Ausblenden oder ein gemeckertes „lass mich in Ruhe“, aber nun grinst es mir unverfroren ins Gesicht. Was tun? Ich schreibe es einfach nieder und hoffe auf Erleichterung. Aber die ‚Geister‘ scheinen restistent zu sein.

Ein bisschen komme ich mir wie diese alten Menschen in den Heimen vor, dort kennt man dieses Phänomen, diese Rückkehr in die Kindheit. Je älter die Bewohner sind, desto häufiger wenden sie sich innerlich ihrer Jugend, ihren alten Verletzungen und Wunden zu. Früher wurde dieses Verhalten in der Altenpflege ignoriert, diese Menschen wurden ein bisschen als <gaga> abgetan, aber heute weiss man darum.

Vielleicht werden wir – wie auch ich jetzt – mit Beginn dieser letzten Lebensphase sanft darauf hingewiesen, wie ignorant wir gelebt und wie wenig wir bisher verstanden haben…

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