Paare in Pension

Ich beobachte gerne Paare in meinem Alter und wenn ich Gelegenheit dazu bekomme, frage ich nach ihrem Freizeitverhalten.

Was tun sie den lieben langen Tag mit und ohne einander – jetzt, wo der Arbeitsalltag wegfällt?

Die einen entdecken die körperliche Aktivität, trimmen sich mit einer gewissen Hartnäckigkeit, die anderen gehen ganz im Kochen auf, denken sich neue Menukombinationen aus, verwöhnen den/die Partner/in oder laden vermehrt ähnlich interessierte Gäste ein. Dann gibt es eine Gruppe von Paaren, die sich sehr in der Politik oder bei Flüchtlings – und Sozialprojekten einbringen, eine zeitintensive Beschäftigung, die bei mir viel Respekt auslöst.

Gerade habe ich einige Tage inmitten von Paaren verbracht, die seit nahezu 30 Jahren in einer Strasse nebeneinander oder zumindest in der Nähe voneinander leben. Man teilte vieles. Die Kindererziehung, die Strapazen des Berufslebens und nun auch die Rentenzeit.

Ich beneide Menschen um solche Lebensentwürfe, dieses Eingebettetsein in einer Gemeinschaft. Niemand muss dem anderen etwas vorgaukeln, man ist wie man ist. Die gemeinsamen Interessen verbinden, die Tages- und Wochenabläufe geben einem Sicherheit. Sport, Politik, PC Probleme – alles hat Platz. Wer Hilfe braucht, bekommt sie.

Ich habe mich nach meiner Rückkehr fast ein bisschen verlassen gefühlt, hier in meinem Quartier. Und doch habe ich mich gefragt, ob diese Art des Zusammenlebens für mich stimmig wäre.

Nun weiss ich, dass dieser Gruppen-Zusammenhalt für mich der Freischein für Bequemlichkeit wäre. Kein Bemühen mehr um neue Kontakte, kein Austausch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit sehr konträren Lebenserfahrungen. Ich würde zu einer „trägen Masse“ inmitten einer mir wohlgesonnenen Umgebung mutieren, zu faul zum Denken, Bewegen, Machen.

Die Befürchtung vielleicht nicht dazu zu gehören, hält mich wohl im Alltag auf Trab, ist also quasi mein Lebenselixier. Der eigentliche Sinn einer Gemeinschaft bewirkt bei mir offensichtlich eine paradoxe Reaktion. Dass ich dies herausgefunden habe, verdanke ich dieser Gruppe.

Aber wollte ich eigentlich wissen, dass ich so eigenartig ticke?

2 Gedanken zu „Paare in Pension

  1. Beatrice

    Auch ich mußte und durfte die Erfahrung machen, die – wie oben beschrieben. Mit wehmütigem Herzen schaute ich oft auf diese eingeschworene Gruppe liebenswerter Menschen und fühlte, ich gehöre nicht wirklich mehr ganz dazu. Das hat ebenso in mir eine Energie entfacht, mich auf die Socken zu machen und meinen Weg zu suchen – mit Lebensabschnittsgefährtinnen oder Gefährten. Selbst da wurde ich realistisch: es handelt sich nun mal nicht allzu selten um Lebensabschnitte, die man / frau gemeinsam gehen kann. Die einen dauern länger, die anderen kürzer. So ist das Leben. Und heute kann ich schon sagen: Schön war´s!

    • fatima

      Hallo Beatrice,
      es ist für mich immer schön zu merken, dass andere ähnliche Situationen durchleben und empfinden wie ich. Dein Fazit: ,schön war’s‘ ist einfach toll!

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