Silvestermorgen

Es ist früh am Morgen, 5 Uhr, und ich kann nicht mehr schlafen.

Die Feiertage liegen hinter mir, ich habe sie mehr oder weniger “verdaut”.

Das schwere Essen und die Eindrücke all der Besucher liegen hinter mir und plötzlich bohrt sich dieser Gedanke in meinen Kopf:

Wieder ein neues Jahr!

Was wird es bringen?

Ich bin keine notorische Verfasserin von (guten) Vorsätzen, mir geht das ganze Getue um Silvester, die übertriebene Feierlaune und Partystimmung meistens ab und trotzdem ist es diesmal ein klein wenig anders.

All die vergangenen “neuen Jahre” kamen wie selbstverständlich.

Dieses jetzt erfüllt mich mit Respekt.

Ich bin alt geworden, um mich herum erkranken oder sterben Menschen, die ich flüchtig kannte – das war schon immer so – aber plötzlich tangiert es mich.

Ich habe keine Angst, keine Bedenken vor diesem unbekannten Jahr, rückwirkend betrachtet wundert man sich sowieso jedes Mal, was alles los war, welche Glücksmomente, aber auch Fallstricke auf einen lauerten. Mich trifft die Erkenntnis, dass ich im noch laufenden Jahr, wohl eher schleichend ein bisschen in meinem Umfeld “ausgemistet” habe.

Nicht bewusst, es ist einfach passiert.

Kontakte sind eingeschlafen, sogar Freunde sind irgendwie abhanden gekommen.

Manche langweilten mich in ihrer Gleichförmigkeit.

Aber vielleicht war es auch anders herum, vielleicht bin ich aussortiert worden. Aus genau den gleichen Gründen. Das Umfeld lichtet sich und ich frage mich, wohin das führt, wenn ich nicht gegensteuere: Isolation? Schrulligkeit?

Wieso langweilen mich plötzlich Menschen?

Haben wir aufgehört, wirklich miteinander und über uns zu reden?

Uns ernsthaft für den anderen zu interessieren ?

Sitzen wir alle in unserer eigenen Selbstgefälligkeit fest und verlieren den Blick fürs Wesentliche?

Ehrliche Beziehungen und Gespräche. Wertschätzung.

Aber ich werde gefühlsdusselig.

Das Hirn, noch vom Schlafentzug beeinflusst, spinnt ein bisschen, phantasiert plötzlich.

Und doch, dieser Gedanke gegenseitiger Wertschätzung erfüllt mich ein klein wenig mit Zufriedenheit und Zuversicht für das unbekannte neue Jahr…


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