Status: online

Gerade durfte ich wieder eine besondere Reise unternehmen. Eine Insel im hohen Norden, fernab von allem. Eigentlich reisen wir immer alleine, aber diesmal waren wir mit einem anderen Paar unterwegs, beide deutlich jünger als wir – eine neue Erfahrung.

Ich liebe auf Reisen durch mir völlig fremde Städte und Ortschaften zu streifen, zu schauen was es um die nächste Ecke zu sehen gibt, zu spüren, ob man sich auf sein Gefühl, seinen Instinkt für eine Umgebung verlassen kann, um dann von einem schönen neuen unbekannten Fleck Erde überrascht zu werden. Aber diesmal war alles anders.

Noch nie zuvor war ich jemals quasi ständig „online“ in einem mir völlig unvertrauten Land unterwegs. Immer und überall verfügbar zu sein – wie das unsere Reisebegleiter handhabten – , sich von Google bestimmen und durch ein Land dirigieren zu lassen, löste in mir totales Befremden aus. Keine Stadt wurde betreten ohne vorher und währenddessen alle Informationen und Bilder aus dem Netz anzuschauen. Der Blick war meist auf das Handy gerichtet, statt auf die Umgebung. Dazwischen die neuesten Meldungen aus der Heimat: was Nachbar x und Hund y gerade machen. Dann wieder der Hinweis, dass jetzt gleich um die Ecke dieses Café oder Restaurant zu finden sind, selbstverständlich bereits *bewertet* oder *gerankt*. Diese externe Informationsflut beeinflusste mein Reiseerlebnis erheblich. Keine Sehenswürdigkeit oder Strasse wurde eigenständig „erlaufen, „erfühlt“. Irgendwer war immer schon mal da und hatte einen Kommentar oder ein Selfie hinterlassen…ich war verblüfft von so viel Arglosigkeit. Meinungsbildung per Handy?

Ist das die neue Art zu reisen oder zu leben? Kein Wundern über fremde Gepflogenheiten, kein Verirren im Strassenwirrwarr und kein Hinterfragen der Lebensumstände der Bevölkerung? All diese Faktoren werden eliminiert. Google führt einen sicher durch alle Destinationen und hat Antworten auf alle Fragen.

Aber diese Haltung hat wohl nichts mit dem Äterwerden zu tun, es ist eine Lebensauffassung.

Mir drängt sich die Frage auf: gibt es bald keine eigenen Erfahrungen mehr?

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