Serien-Junkie

Nun ist etwas passiert, was ich nie für möglich gehalten hätte: ich bin seriensüchtig geworden. Ausgerechnet ich, wo mir doch Fernsehen schauen zuwider ist, weil: stumpfsinnig, verdummend, langweilig.

Als es aber <zwischen den Jahren> so gar nichts Interessantes im Kino gab, liessen wir uns auf ein Probeabo eines bekannten Anbieters ein. Ich gebe zu, ganz unerfahren war ich auf diesem Terrain nicht, ich hatte schon mal vor Monaten eine isländische Krimserie angeschaut und fand die unterhaltsam. Nach meiner Islandreise fühlte ich mich quasi in ihr heimisch, da ich per Zufall durch die Drehorte kam und Schauplätze wiedererkannte.

Aber jetzt ist es anders: ich freue mich abends ab 21h auf dem Sofa zu liegen und 2 Stunden unterhalten zu werden. Ich weiss, mein Genre ist nicht besonders intellektuell: Krimis, eher Thriller – je schräger desto … Es begann mit „Glacé“, einer düsteren Serie, die in den Pyrenäen spielt. Dann folgte „der Pass“, „Bordertown“, „Broadchurch“…

So langsam warte ich darauf, dass die Tage wieder länger werden, denn dann hört diese merkwürdige Marotte hoffentlich wieder auf. Bedenklich finde ich, dass ich so gar kein Gefühl von Zeitvergeudung habe, das macht mir ein klein wenig Sorgen. Aber vielleicht ist es einfach nur ein Nachholbedürfnis aus frühester Kindheit. Da gab es zwar einen Fernseher, wir durften aber nicht schauen. Eigentlich benötige ich keine tiefenpsychologische Erklärung für diese Phase: ich glotze einfach – fertig.

Das ist ein Vorteil des Alterns: Man muss sich nicht rechtfertigen, auch nicht vor sich selbst.