Überwintern

Viele ältere Menschen überwintern ja bekanntlich in südlichen Gefilden, vorzugsweise auf gewissen Inseln.

Es gibt dort deutsche, britische oder schwedische „Kolonien“. Single-, Nudisten- und Homosexuellen- Paradiese. Es herrscht – ganz im Gegensatz zu den Ursprungsländern dieser Menschen – eine gewisse Toleranz. Die meisten Anlagen sind klein und überschaubar, bewacht und sauber. Es gibt Swimmingpools, Segelboote und Golfplätze für jedes Handicap.

In den Läden wird man problemlos in der eigenen Landessprache bedient und das Inselradio berieselt einen mit deutscher Schlagermusik.

Tagsüber schaut jeder jedem beim „leben“ zu. Viele müssen auf engstem Raum miteinander auskommen. Der Umgangston ist freundlich und der Tagesablauf der Bewohner unterscheidet sich kaum von dem in der Heimat.

Bewegungssüchtige treiben Sport, Bequeme okkupieren ab dem frühen Morgen die besten Plätze am Pool und stehen erst am Abend wieder auf. Dazwischen skypen mit der Familie und werkeln am Haus. Alles geht geordnet zu.

Was treibt all diese Menschen hierher, wo alles so ist wie zuhause? Zeitung und Brötchenservice inklusive. Ist es *nur* die Sonne? Die Natur kann es nicht sein, denn die meisten verlassen ihr Areal nur selten, ganz so als könnte da draussen etwas Unbekanntes lauern…

Aber was zieht sie alle hierher? Welchen Traum erfüllen sie sich? Freiheit und doch Vertrautheit?

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