Verlorene Zeit

Lockdown, Shutdown, Beschränkungen, Verschärfungen, Maskenpflicht und Verimpfung – unser Wortschatz hat sich innerhalb eines Jahres völlig verändert. Der Austausch untereinander ist verbal beschränkter geworden, eindimensional und engstirnig. Wie unser Leben.

Alles dreht sich mit und um Corona. Unser Denken, unsere Wahrnehmung, unser Verhalten und unsere Handlungen.

Den Menschen gehen so langsam die Beschäftigungsmöglichkeiten aus. Egal ob jung oder alt. Besonders in Deutschland mit seinen teilweise lebensfernen Bestimmungen ist es für Eltern mit Kindergartenkindern nicht möglich, diesen etwas Abwechslung zu garantieren. Nur eine Person aus einem fremden Haushalt darf kommen, Kinder werden mitgerechnet. Wie soll ein dreijähriges Kind alleine zum Spielen kommen? In teilweise beengten Wohnungen hängen dann Väter im Homeoffice und überforderte Mütter mit nörgelnden Kindern aufeinander und versuchen irgendwie den Tag zu überstehen.

Die älteren Menschen dagegen kämpfen gegen die Einsamkeit, ob zuhause oder im Altersheim. Die Rollator-Runde durchs Quartier ist schnell gemacht. Bei gutem Wetter sitzen sie dann schön eingemummelt auf den Balkonen und starren ins Leere, bei schlechtem Wetter sehe ich im Vorbeigehen schon am Morgen den Fernseher flimmern.

Auch mir gehen die Ideen aus. Bücher geben momentan nichts mehr her, ich habe sozusagen „ausgelesen“. Die Wege über den Hausberg öden mich inzwischen an. Innerlich befinde ich mich in Warteposition. Eine Haltung, die mir in normalen Zeiten völlig gegen den Strich geht. Was macht man mit dieser „verlorenen Zeit“?

Lebenszeit kann man ja nicht nachholen oder nachleben. Aber die Vorstellung, diese verlorene Zeit einfach hinterher dranzuhängen amüsiert mich und macht gleich wieder gute Laune.

2 Gedanken zu „Verlorene Zeit

  1. Gabi

    Das liest sich sehr traurig. Und es ist ja auch so. Wie sehr fehlt mir ein Ausflug zu Ikea, ein bisschen Möbel und Gedöns gucken, einen Hotdog essen, einen Moment da sitzen und Leute gucken…. oder einfach mal über die Grenze hoppen zum Einkauf. Hier in Aachen eigentlich ganz normal, aber nun bei Strafandrohung verboten. Trotzdem haben mein Mann und ich einen Weg gefunden, wie wir immer neue Welten erkunden können. Wir sind mit Ü50 begeisterte Spielkonsolenspieler. Wir jagen zusammen Monster, ich pflege einen tollen Bauernhof mit vielen anderen Spieler/innen und so kommen wir ab und an zumindest virtuell mal raus. Finde das hat was und kann es nur empfehlen! Anfangs habe ich mich ziemlich doof angestellt, aber jetzt kann ich mir dieses Hobby nicht mehr wegdenken. Naja…. trotzdem hoffe ich, dass im Sommer wieder aushäusige Unternehmungen möglich sind. Ein Stadtbummel, zum Badesee, in den Tierpark.. das wäre schön! Dir alles Liebe und halte durch! Gabi

    • fatima

      Hallo Gabi,
      herzlichen Dank für deine tröstenden Worte! Mir selbst geht es gar nicht so schlecht, es ist die Stimmung, die ich um mich herum wahrnehme. Natürlich verfremde ich immer alles ein wenig und beziehe es auf mich. Kann ja schlecht schreiben, meine Nachbarin Soundso hängt gerade ziemlich durch…
      Aber die Sehnsüchte bleiben. Badesee! Hier schneit es 🙂
      Weiterhin viel Spass in der virtuellen Welt.
      Viele Grüsse aus der Ferne

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