Gehetze

Wenn ich auf meine letzten Wochen zurück blicke, merke ich, dass jede einzelne davon von einem Grundgefühl geprägt war: Hetze.

Wie kommt das? Jetzt, wo ich so alt bin und eigentlich mehr Zeit habe?

Mir kommen Erinnerungen an frühere Jahre in den Sinn, eine Zeit, die ich mir heute kaum mehr vorstellen mag: als ich um die 40 war. Der Mann aus beruflichen Gründen kaum zuhause, ich überfordert und damit beschäftigt zwei kleine Kinder in einer neuen und fremden Umgebung zu integrieren und auch mich selbst irgendwie in diesem neuen Land beruflich und privat anzubinden. Fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die Kinderbetreuung steckte hier noch in den „Kinderschuhen“ und überall diese fremde ungewöhnliche Sprache.

Ich fühlte mich ständig gehetzt und manchmal auch leer.

Und ausgerechnet jetzt mit über 60 Jahren ist nun dieses Gefühl wieder da: Hetze! Als sei ich auf der Jagd. Aber diesmal eine andere Jagd – eine nach schönen Erlebnissen. Als würde mir die Zeit davon laufen. Und genau so ist es.

Man realisiert diese Endlichkeit, hat Befürchtungen, dass die Zeit für all das „Unerlebte“ zu kurz sein könnte und will plötzlich *alles* erleben, erfahren. All diese noch unbekannten Länder, die man nicht bereist hat, all die Menschen, die man lange nicht gesehen hat und all die Fähigkeiten, die eventuell in einem schlummern, auch sie möchten vielleicht noch ausprobiert werden.

Wann, wenn nicht jetzt – das altbekannte Motto.

Dabei sagt man in gewissen Kreisen, all das bräuchte man nicht, wenn man bei sich selbst angekommen sei.

Aber kommt man jemals dahin? Und vor allem: wie?

Ein Gedanke zu „Gehetze

  1. Bri vom Meer

    Ich setze strenger Prioritäten und horche ab und zu in mich hinein . Wenn es mir zu viel wird, sage ich schon eher mal eine Veranstaltung ab. Das hätte ich früher nicht getan. Weniger ist mehr, dafür genussvoll und bewusst erleben.
    Bei mir ankommen heißt für mich: Was ist mir wirklich wichtig, interessiert mich? Nicht, was muss man gesehen oder erlebt haben.

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